Wer meint, Angeln sei langweilig, nur was für Leute, die sonst nichts zu tun haben, kontaktscheu oder gar menschenfeindlich
sind, der hat keine Ahnung.
Zugegeben – mancher Angler ist nicht gerade besonders gesprächig, wenn er eher mitleidig mit der üblichen Frage: "Sind denn hier überhaupt
Fische drin?" konfrontiert wird. Hier wäre es vielleicht eher angebracht, mal zu fragen, welche Fischarten denn besonders häufig sind, welche Arten
von Raubfischen hier anzutreffen sind oder – für den Praktiker – welche Fischarten denn wie genau zubereitet werden.
Es gibt so um die 4 bis 5 Millionen mehr oder weniger aktive Angler in Deutschland. Davon sind angeblich ungefähr 1 Million in Vereinen
organisiert. In einer Reihe von Studien und wissenschaftlichen Abhandlungen wurde bereits versucht, den Motiven und der Bedeutung der Freizeitfischerei näher
zu kommen. Danach ist in jedem Fall festzustellen, dass Angeln gemessen an anderen Freizeitaktivitäten sowohl von seiner sozialen als auch von seiner
ökonomischen Dimension von großer Bedeutung ist und hinsichtlich seiner Präsenz und seiner Erträge schon lange die nationale Binnen- und
Flussfischerei dominiert.
Neben der unbestrittenen wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Bedeutung der Freizeitangelei hat dieses Hobby noch viel wesentlichere
Aspekte.
Angeln ist sozial
Klar fangen wir in erster Linie gerne Fische und freuen uns auch, wenn mal ein dicker Brocken dabei ist.

Aber dieses Maß an Egoismus
hört meist schon damit auf, dass wir uns auch über den Fang des Anderen freuen oder ihm zeigen, womit wir erfolgreich waren. Auch für unsere
Kinder und Jugendlichen – und die meisten Angler haben irgendwann in ihrer Kindheit angefangen mit dem Angeln – darf und sollte der waidgerechte
Fang eines Fisches und seine Verwertung von Bedeutung sein.
Jugendarbeit in den Vereinen hat hier eine besondere Verantwortung und ist auch mit das Wichtigste,
was bei sozialem Engagement in Vereinen zu nennen ist. Hier wird von einer großen Anzahl von Menschen jeden Alters auf rein ehrenamtlicher Basis ganz tolle
Arbeit geleistet. Das Ehrenamt wird ja mittlerweile auch von der Politik als ein unabdingbares Element unserer Sozialgemeinschaft erkannt.

Sich für andere
einzusetzen, etwas ohne den Blick auf den eigenen Profit zu tun, ist in den vielen Angelvereinen schon lange eine Selbstverständlichkeit. Hier wirken Tausende
Menschen in Hunderten von Vereinen und Verbänden, und viele davon kann man aufgrund ihres Engagements nur bewundern. Ob Vorsitzender, Gewässerwart,
Schriftführer oder Jugendwart, sie alle opfern einen Großteil ihrer Freizeit für all die Aktivitäten, die die soziale Dimension des
Angelns ausmachen: Geselligkeit, Hilfsbereitschaft, Engagement, Erfahrungsaustausch, Freizeitgestaltung, Umweltbewusstsein, Freundschaft, und
vieles andere mehr.
Angeln ist gesund
Es gibt ihn, den typischen "Schönwetterangler", aber normalerweise sind wir bei Wind und Wetter unterwegs,

genießen die frische Luft und lassen uns auch bei Regen und Frost nicht von der Bewegung im Freien abhalten. Mit Leistungssport hat das natürlich nichts zu tun, aber ein
paar Kilometer kommen oft pro Tag schon zusammen, wenn der Angler mit Blinker oder Fliegenrute unterwegs ist, um seinen Fisch zu fangen. Hinzu kommen die vielen
schönen Momente, das Naturerlebnis, die Erfolgsmomente, die Herausforderungen, das gemeinsame positive Erleben des Angelns und die Fähigkeit, bei seiner
Lieblingsbeschäftigung mal so richtig abzuschalten. Und dann sind wir – in aller Regel – begeisterte Fischesser, was bekanntlich auch ganz
gesund sein soll.
Angeln ist erlebnisreich
Wie bei vielen anderen Freizeitaktivitäten ist es nicht ganz einfach, den Reiz und das positive Erleben des eigenen Hobbys zu schildern.

Vielleicht hilft ein Beispiel hier weiter:
Gehen wir Angler mit Freunden spazieren oder wandern und geraten dabei – natürlich (?) – irgendwo an einen See oder Fluss,
gilt unser Blick sicher eher und geübter der Wasserfläche und seiner Bewohner. So passiert es nicht selten, dass nach einer 5 km langen Wanderung entlang
eines Flusses – je nach Jahreszeit – der Angler unter den Wandernden manchmal Hunderte von Fischen beobachten konnte, alle anderen haben jedoch nicht
einen gesehen. Höchstens wenn mal eine Forelle oder ein Döbel besonders laut an der Oberfläche klatschte, werden sie – zumindest in Form eines
verwunderten Blickes – wahrgenommen.
Jeder kennt das Phänomen des Feuers: man kann stundenlang hineinschauen und immer passiert irgend etwas. Genauso geht es dem Angler, wenn er
irgendwo am Wasser ist. Dabei muss es nicht das eigene Angelgewässer sein. Für einen Angler ist es einfach ungeheuer spannend, diese faszinierenden
Schuppenträger zu beobachten und er freut sich – auch ohne selbst zu angeln – wenn er wieder eine versteckte Nase oder Barbe am Grund des Flusses entdeckt hat.
Da geht es dem Angler wahrscheinlich ähnlich wie dem Vogelliebhaber, wenn er einen seltenen Vogel am Himmel kreisen sieht oder dem
Pflanzenfreund, wenn er eine besonders schöne oder seltene Pflanze entdeckt.
Wir Angler sehen einen Fluss oder einen See einfach mit anderen Augen und vielleicht ist die Spannung jetzt irgendwie nachzuvollziehen, wenn man
als Angler irgendwo mit Watstiefeln im Fluss steht und versucht eine Forelle oder Äsche mit dem selbstgebauten Fliegenmuster zu überlisten, die man
schon lange beobachtet.
Angeln ist naturbewusst
Nur ein geringer Prozentsatz unserer Bevölkerung empfindet begradigte Flüsse irgendwie negativ oder registriert, dass selbst Fischarten
wie Schleie oder Hecht oft nur aufgrund von Besatzmaßnahmen noch in unseren Gewässern vorkommen.
Sehr viele Menschen – so scheint es – glauben
eher, dass in einem Fluss oder See, an dem sie vorbeikommen, keine oder zumindest nicht besonders viele (verschiedene) Fische vorkommen und – das scheint die
meisten von ihnen auch nicht besonders zu schockieren. Glücklicherweise ist das Gegenteil der Fall, aber Fische haben sicher das Problem, im öffentlichen
Bewusstsein kaum wahrgenommen zu werden. Man sieht sie ja auch so schlecht. Selbst für die meisten aktiven Naturliebhaber hört die Wahrnehmung meist
an der Wasseroberfläche auf.
Klar kann man mit wissenschaftlichen Methoden den einen oder anderen Grund für den Rückgang einzelner Fischarten versuchen herauszufinden.
Aber viele Ursachen sind doch längst bekannt und manche Geheimnisse werden uns die Gewässer auch in 100 Jahren noch verbergen. Wahrscheinlich würde
es in manchen Fällen schon ausreichen, unseren Flüssen wieder ein wenig mehr Raum zu geben und den vielen künstlichen Bagger- und Braunkohleseen ein
paar Strukturen und Flachzonen zu gönnen, um eine zumindest im Ansatz natürliche und dynamische Entwicklung der Gewässer zu gewährleisten.
50 verschiedene Verbote und Einschränkungen auf 25 km Flusstrecke helfen da eher wenig.
Will man geeignete Maßnahmen herausfinden, gehört unter anderem auch eine möglichst genaue Kenntnis der bisherigen Entwicklung und
des aktuellen Zustandes eines Gewässers dazu. Neben den üblichen Erfassungsmethoden (z.B. Elektrofischerei, Senk-, Stell- und Zugnetze) sind hier Angler
und vor allem die Vereine die richtigen Ansprechpartner. Sie kennen trotz in vielen Fällen fehlender wissenschaftlicher Ausbildung ihre Gewässer meist
ziemlich genau und können zu den möglichen Ursachen oft schon eine Menge beitragen.
Und auch bei der Erfolgskontrolle durchgeführter Maßnahmen ist der Sachverstand der bewirtschaftenden Vereine sehr wertvoll. Von Seiten
des behördlichen Naturschutzes wurde diese Sachkenntnis allzu oft nicht ernst genommen und wertvolles Wissen für ein doch gemeinsames Ziel verschenkt.
Wir Angler haben sicher in den letzten 50 Jahren den Fehler gemacht, uns einerseits nicht laut genug über die Degradierung der Gewässer
zu beschweren und auf der anderen Seite das eigene Engagement im Natur- und Umweltschutz nicht ausreichend in die öffentliche Wahrnehmung zu transportieren.

Selbst in der heute immer noch bedrohlichen Situation unserer einheimischen Fischbestände werden Angler kaum wahrgenommen und allenfalls als möglicher
Mitverursacher dieser Katastrophe wahrgenommen. Dabei leisten die Angler und vorneweg die Vereine und Verbände hier enorm viel. Neben der laufenden Pflege und
Hege der zahlreichen Gewässer sind viele der heute erfolgreichen und sichtbaren Maßnahmen auf Initiative oder mit wesentlicher Unterstützung der
Angler erfolgt. Hierzu gehören beispielsweise die zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstrukturen oder nationale und internationale
Initiativen zur Wiedereinbürgerung verschollener Fischarten wie z.B. Lachs oder Meerforelle.
Angeln ist zeitgemäß
Rote Listen, Arten- und Tierschutz, Schutz von Biotopen und genetischen Ressourcen, Landschafts- und Naturschutzprogramme, Flussgebiets- und
Fischereimanagement und viele andere auf den Erhalt unserer natürlichen Umwelt abzielende Aktivitäten rücken erst in den letzten Jahren zunehmend
in das Blickfeld der politisch Handelnden. Angeln als vordergründig nutzungsorientierte Handlung wirkt da anscheinend eher störend, nicht tierschutzgerecht
und kaum mehr zeitgemäß. Auf den eigenen Füßen in die letzten noch halbwegs natürlich aussehenden Bereiche vorzudringen und hier mit den
eigenen Händen (!) einen mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf irgendeiner Vorwarnliste stehenden Fisch zu fangen und diesen auch noch zu verspeisen, schreit
ja geradezu nach Verurteilung. Zugegeben – jede Fischentnahme, ja eigentlich schon der Versuch einer solchen, stellt einen Eingriff in das
Gewässerökosystem dar.

Und ebenfalls unbestritten ist die Tatsache, dass es dem Fisch sicher kein Vergnügen bereitet, gefangen und in Vorbereitung
auf den Verzehr ins Jenseits befördert zu werden. Also doch zum Supermarkt und dort die Fischstäbchen kaufen?
Sind wir keine Tierfreunde und müssen wir uns verstecken, weil wir uns anmaßen, den Fisch, den wir essen wollen, selbst zu angeln
und auch noch eigenhändig für die Pfanne vorzubereiten?
Nicht wenige Stimmen fordern sogar, auf Angeln als Freizeitbeschäftigung sollte möglichst vollständig verzichtet werden. Völlig
vergessen wird bei dieser Argumentation – neben der sozialen Komponente des Angeln – die Bedeutung der Millionen von fischbegeisterten Menschen in
unserem Land, denen das Wohlbefinden und das Überleben dieser Wasserbewohner besonders am Herzen liegt. Auch im behördlichen Naturschutz weiss man mittlerweile:
wir werden nur schützen, was wir kennen. Was ist so verwerflich daran, wenn auch ein bisschen Eigennutz dem Engagement der Angler zu Grunde liegt.
Jeder, der für etwas eintritt und sich einsetzt braucht eine Motivation, die ihn treibt. In einer von der Schweiz vor einigen Jahren herausgegebenen
staatlichen Broschüre war speziell zum Thema Fische zu lesen, dass der persönliche Einsatz für den Schutz der Fische nur von denen zu erwarten ist,
die einmal mit den eigenen Händen einen Fisch gefangen haben. Eine wirklich bemerkenswerte Aussage, die glücklicherweise in unserem Land auf Millionen
von Menschen zutrifft.
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